Presse

Ensemble-Q6

  • Artikel der Schwäbischen Zeitung vom 21.7.2014 von Helmut Voith

    Ein musikalisches Bankett führt in die Zeit des Konzils

    In Meersburg erklingen Lieder aus Mittelalter und Renaissance

    In der barocken Schlosskirche Meersburg erklingen Lieder und Instrumentalstücke aus Mittelalter und Renaissance.

    Es singt das Ensemble Q6, es spielt das Potamicus Consort Bodensee. Bild: Helmut Voith

    Mit Musik aus Mittelalter und Renaissance haben das Potamicus Consort Bodensee und das Gesangsensemble Q6 am Samstagabend in Meersburg für eine fast volle Schlosskirche gesorgt. Der dortige herrliche barocke Innenraum bot nicht unbedingt das adäquate Ambiente für eine Musik aus weit früherer Zeit, die unseren Ohren ziemlich fremd klingt, aber aufgrund der nachgebauten alten Instrumente wohl recht authentisch ist. Anlass für das Konzert war der Jahrestag des Konstanzer Konzils – und könnte man aus den Fenstern der Schlosskirche auf die andere Seite des Sees blicken, sähe man Konstanz vor sich, wo dieses vor 600 Jahren begann.In farbigen Worten erläuterte Moderator Ralph Kolars die Bedeutung dieses Events, das das 6000-Seelen-Städtchen Konstanz für wenige Jahre zum Mittelpunkt der damaligen Welt werden ließ, ein Event, das 70000 Menschen aus aller Welt anzog wie beispielsweise den Sänger, Diplomaten und Dichter Oswald von Wolkenstein. Auch von ihm stand ein Lied auf dem Programm, das mit einem Lied aus den Carmina Burana begann.

    Unter dem Motto „Banchetto musicale“ zeigten die beiden Ensembles aus der Region unter der Leitung von Peter Schmidt, wie sich Musik und Gesang vom Mittelalter zur Renaissance hin veränderten. Musik begleitet die Menschwerdung, die Loslösung aus den ganz festen Traditionen, den Beginn eigenen Denkens, die Bewusstwerdung der Rolle der eigenen Persönlichkeit. Der Gesang wird vierstimmig, Gefühle werden artikuliert. Herrlich ist da die Gegenüberstellung eines groben Landsknechtslieds, das in sinnlichen Freuden schwelgt, und der zarten Liebeserklärung in gepflegtem A-cappella-Gesang.

    Spannend, wie das Programm Solo- oder Ensemblegesang, a cappella oder begleitet, und Instrumentalstücke in wechselnder Besetzung mischt. Unter den Stimmen dominieren Verena Simmlers heller, klarer Sopran neben Sopranistin und Altistin Christine Kallenberg und Reinhild Neveling. Solistisch tritt auch Tenor Peter Schmidt hervor, während Markus Stürzenhofecker einen warmen Bass beiträgt. Die sieben Musikanten begeistern mit unterschiedlichsten Flöten bis zur Subbassflöte, mit Gemshörnern, Krummhörnern, Dulcian, Gambe und Trommeln. Man muss sich hineinhören in diese fremde Welt, und immer stärker wird einem bewusst, dass auch hier schon reichlich Raum für Differenzierungen gegeben ist. Gamben sorgen für einen Klang, den wir als höfisch empfinden. Wie tiefe, volltönende Flöten klingen die Gemshörner, die eigentlich Kuhhörner sind. Die Bandbreite scheint gegenüber der Musik späterer Epochen noch eingeengt, doch die Musik spricht auch uns Heutige an, nur wenige Zuhörer sind in der Stimmpause gegangen. Fazit: ein besonderes Konzert, das zugleich in die Welt des berühmten Konstanzer Konzils einstimmt.

    Hier geht es zur Konzertkritik vom Konzert am 21.07.2014

 

  • Artikel der Schwäbischen Zeitung vom 21.10.2013

    Herbstlich bunte Klänge der Renaissance

    Lieder und Weisen der Renaissance erklingen beim sonntäglichen Konzert in der Schlosskirche. (Foto: Helmut Voith)

    Artikel von Christel Voith

    Tettnang  – Der Renaissancemusik haben sich verschiedene Gesangs- und Instrumentalensembles der Region verschrieben und zusammen das Programm „L’amour, la mort – et la vie“ erarbeitet. Nach dem Meersburger Konzert vom Samstag waren sie am Sonntag in der vollen Schlosskirche von Tettnang zu Gast.

    „L’amour, la mort – et la vie“, von Liebe, Tod und Leben singen sie, und Moderator Günter Weber merkt schmunzelnd an, dass hier keineswegs nur die Nächstenliebe gemeint sei. Auch den geistlichen Herren, von denen viele der Liedtexte stammen, war die weltliche Liebe nicht fremd. Allerdings springt sie einem in der Renaissance nicht offen entgegen: Unter höfisch strenger Oberfläche gut verborgen ist das erotische Verlangen, wenn zum Beispiel der Geistliche Clément Janequin in seinem Lied von scharlachroten Lippen singt, die er für die Dauer von 100 Atemzügen küssen will – ein bezauberndes Lied, bei dem Flöten die Sopranistin Verena Simmler begleiten.

    Von fremdem Zauber ist die Musik, die uns Sänger und Musiker hier nahebringen: zwei Sopranistinnen, zwei Altistinnen, Tenor und Bass des Gesangsensembles Q6 (Leitung Peter Schmidt), das vierköpfige Goldbacher Gambenconsort, die vier Blockflöten der „Musica Chiara“, das Tettnanger Giovanni-Pastorelli-Trio mit seinen Tromboni, den Renaissance-Posaunen, und Dorothea Hinze aus Tuttlingen mit den Rohrblatt-Instrumenten Schalmei und Dulcian.

    Zu hören sind einzelne Instrumentalstücke für Flöten und für Gamben, dazu geistliche und weltliche Lieder. Kraftvoll singt das Sextett a cappella, besingt im Liebeslied von Janequin die „petite nymphe folastre“ aus Pierre de Ronsards Liebesgesängen oder feierlich Thomas Tallis’ berühmtestes Anthem „If you love me“ zum Bibelwort aus dem Johannesevangelium. Meist aber werden die Sänger begleitet von Flöten und Gamben oder Tromboni und Schalmei, zuweilen schlägt auch Peter Schmidt die Trommel dazu, wie in der Trauerode für den jung verstorbenen spanischen Thronfolger Don Juan, in der Adriano Handrich markant das Bass-Solo singt, bevor die übrigen mitsamt allen Instrumenten hinzukommen. So wie im Titel auf den Tod das Leben folgt, folgt voller Lebensfreude ein Trinklied, das Tromboni und Schalmei anstimmen, bevor alle mit einstimmen.

    Fröhlich geht’s auch zu im Spottlied mit Peter Schmidt als Vorsänger und in Orlando di Lassos Echo-Lied, für das die Sänger von beiden Seiten das Echo lebendig werden lassen. Köstlich die „blutrünstige“ Zugabe, die gefräßigen Mäusen und Ratten Tod und Verderben wünscht. Noch einmal hat Anton Roth alle zusammen geleitet, noch einmal hat der Zauber der alten Musik gewirkt.

    Hier geht es zur Konzertkritik vom Konzert am 20.10.2013

  • Artikel im Südkurier Bodenseekreis-Oberschwaben vom 22.10.2013

    Lieder über Liebe, Tod und Leben

    Meersburg -  Vier Ensembles haben in der Meersburger Schlosskirche gemeinsam ein Konzert mit Renaissancemusik gegeben.

    Mitglieder von vier Ensembles vereinten sich zum Konzert.  Bild: Lenhardt

    Artikel von Cornelia Lenhardt:

    Neben einer schönen schlanken Tenorstimme besaß Peter Schmidt auch die Gabe, vier musikalische Ensembles zu einem kurzweiligen Konzert zusammenzuführen. So waren am Samstag in der gut besuchten Schlosskirche der evangelischen Gemeinde in Meersburg das Goldbacher Gambenconsort, das Giovanni-Pastorelli-Trio, die Musica Chiara und das Ensemble Q6 zu hören. Musik des 15. und 16. Jahrhunderts mit Themen, die sich von der Liebe über das Leben bis zum Tod spannten. Die unterhaltsame Moderation von Günter Weber machte die zahlreichen Zuhörer auf manch pikante Textstelle aufmerksam.

    Das Goldbacher Gambenconsort zelebrierte, begleitet von Trommelschlägen, einen Schreittanz, eine Pavàn des katalanischen Komponisten Luis Milan. Zusammen mit den Flötistinnen der Musica Chiara präsentierten die sechs Sängerinnen und Sänger des Ensemble Q6 die Jahreszeiten von Thomas Morley. Besonders festlich und farbig erklangen die Renaissanceposaunen des Giovanni-Pastorelli-Trios und Dorothea Hinze auf dem Dulcian oder der Schalmei, vereinigt mit allen Ensembles unter der Leitung von Anton Roth.

    Vokal- und Instrumentalpartien waren in der Renaissancemusik austauschbar, es gab keine feste Instrumentierung. Ob nun ein monotones, einfältiges, hörbares „Geschlurfe“ im Landknechtslied von Ludwig Senfl, oder das Jubilate Deo von Orlando di Lasso mit Flöten, der Wunsch nach einem Kuss auf scharlachrote Lippen, von Verena Simmler mit glockenheller Stimme gesungen und von Flöten begleitet, ein Anthem von Thomas Tallis oder die spanische Trauerode von Juan del Encina: Liebesschmerz und Todesleid lagen damals sehr dicht beieinander. Und wie kann man Trauer beantworten? Mit Schweigen oder Trinken? „So drincken wir alle“ von Arnold von Buck, von allen Ensembles schwungvoll präsentiert. Die Musiker überzeugten durch Spielfreude, saubere und präsente Einsätzen, fast immer stimmlicher Ausgewogenheit in einem farbigen und klangprächtigen Programm. Die Zuhörer waren begeistert und erklatschten eine Zugabe.

    Mitwirkende

    Goldbacher Gambenconsort: Barbara Heyner, Elsbeth Greifeneder, Barbara Schmiereck und Hartmut Gerlach
    Musica Chiara: Flauti Dolci mit Helgard Braun, Sibylle Kastner, Saskia Laubenberger und Gertraude Walser
    Giovanni-Pastorelli-Trio: Johannes Pastorelli, Remo Rundel und Oliver Schwägli, Tromboni (Renaissance-Posaunen)
    Ensemble Q6: Christine Kallenberg und Verena Simmler (Sopran), Reinhild Neveling und Irmtraud Weber (Alt), Peter Schmidt (Tenor und Ensembleleitung) und Adriano Handrich (Bass)
    Dorothea Hinze, Dulcian und Schalmei
    Anton Roth, Dirigat
    Günter Weber, Moderation

    Hier geht es zur Konzertkritik vom Konzert am 19.10.2013

  • Artikel der Schwäbischen Zeitung vom 14.7.2013

    Vom Zauber der Renaissancemusik

    Ensembles der Bodenseeregion singen und spielen von Liebe, Tod und Leben
    Musik der Renaissance brachten Ensembles der Bodenseeregion in die evangelische Friedenskirche in Langenargen. (Foto: Helmut Voith).
    Artikel von Helmut Voith:

    Langenargen – Unter dem Titel „L’amour, la mort et la vie“ haben vier Gesang- und Musikensembles vom Bodensee allein oder in verschiedenen Kombinationen in der evangelischen Friedenskirche in Langenargen Musik der Renaissance geboten. Am Freitagabend waren längst nicht alle Plätze besetzt, gastierte doch gleichzeitig bei den Langenargener Schlosskonzerten das international bekannte Szymanowski-Quartett.

    Der Kreis derer, die sich von Musik der Renaissance angesprochen fühlen, ist naturgemäß klein, klingt sie doch selbst für Barock oder Klassik gewohnte Musikliebhaber etwas fremd. Der Kressbronner Ralph Kolars, der auch einige Stücke dirigierte, versuchte den Bogen aus der Gegenwart zurückzuschlagen, indem er erzählte, dass einer der Stifter der Friedenskirche ein direkter Nachfahre Luthers sei und dass ein Fenster an den bedeutenden Reformator Urbanus Rhegius erinnere, den wohl bekanntesten Sohn Langenargens, Sohn eines katholischen Kaplans. Und damit war er mitten in der Thematik des Abends, der sich um die Liebe, den Tod und das Leben drehte. Nicht wenige der Werke stammten von geistlichen Herren, was aus der Zeit heraus zu verstehen ist. Die Melodien, die Instrumente klingen heute fremd. Menschliche Affekte treten in den Mittelpunkt, der vierstimmige Chorsatz wird üblich, die Dreiklangharmonie setzt sich durch, neue Instrumente werden entwickelt. Wie Kolars erzählte, seien heutige Posaunen zehnmal lauter als jene aus der Zeit der Renaissance.

    Erhaben und feierlich

    Mit verschiedenen Mitteln wird heute versucht, dem originalen Klang näher zu kommen. Selbst wenn es um die Liebe, um weltliche Freuden geht, klingt die Musik immer irgendwie erhaben und feierlich. Den 18 Sängern und Musikern war die Freude daran anzuhören, sie haben sie auch in die Langenargener Friedenskirche getragen.

    In schöner Mehrstimmigkeit sang das Ensemble Q6 unter der Leitung des Tenors Peter Schmidt. Auf Tromboni, Renaissance-Posaunen, spielte das Giovanni-Pastorelli-Trio aus Tettnang, auf Gamben das Goldbacher Gambenconsort aus Bambergen, auf „flauti dolci“ – lieblichen Flöten – musizierte das Flötenquartett „Musica Chiara“ aus Friedrichshafen. Eigens aus Tuttlingen angereist war Dorothea Hinze mit Rohrblatt-Instrumenten. So waren rund 20 Chansons und kurze Stücke von Arnold von Bruck und Clément Janequin, von Ludwig Senfl und Josquin Desprez zu hören, nicht zu vergessen Orlando di Lasso, einer der bedeutendsten Komponisten der Hochrenaissance, ab 1562 Hofkapellmeister in München. Nicht allein in seinen Werken war etwas vom Zauber der alten Musik zu spüren. Dennoch eine Musik für einen kleinen Kreis von Liebhabern.

    Das gleiche Konzert fand am Sonntagabend in Sankt Jakobus in Brochenzell statt. Weitere Termine am 19. und 20. Oktober in den Schlosskirchen in Meersburg und Tettnang.

    Hier geht es zur Konzertkritik vom Konzert am 12.7.2013

  • Artikel des Südkurier vom 17.7.2013

    Bad der Harmonien und Tauchgang ins pralle Leben

    Ensemble Q6, Goldbacher Gambenconsort, Musica Chiara und Pastorelli-Trio spielen in Brochenzell Werke der Renaissance

    Von Sabine von Bellersheim
    Brochenzell, St. Jodokus, Konzert am Seehasensonntag – und doch war das Gestühl voller aufmerksamer Zuhörer. Bisweilen herrschte Stecknadel-Stille. Wie schön für die Mitwirkenden. Dies waren im Grunde genommen vier Quartette: Das Goldbacher Gambenconsort und das Blockflötenensemble „Musica Chiara“ – Quartette auf den ersten Blick. Der Posaunen waren es drei (Giovanni Pastorelli Trio), doch ihnen zur Seite saß Dorothea Hinze mit Dulcian und Schalmei. Sopran und Alt doppelt besetzt, dazu Tenor und Bass bilden das Ensemble Q6. „Q“, weil die von ihnen gesungenen Sätze meist vierstimmig sind; „6“, weil sie sechs Sänger sind.Moderierend und dirigierend wirkte Ralph Kolars mit.Kolars ist von Kindesbeinen an Musiker, er hat eine besondere Affinität zur Renaissance-Musik, deswegen erfreute es ihn gewiss, dass es dem Tenor Peter Schmidt gelungen ist, so viele Sänger und Instrumentalisten unter einen Hut zu bringen – den Hut der Renaissance. Dass Ralph Kolars überdies Historiker ist, war bei seiner Moderation unschwer zu erkennen. Dass er ebenfalls ein ausgezeichneter Kabarettist ist, blitzte hier und da in eher frechen Nebenbemerkungen durch. Kein Problem also für ihn, die Besucher in die Alte Musik zu entführen und „L’amour, la mort – et la vie!“ zum Thema zu machen – in einer Kirche. Schließlich boten in alter Zeit nur die Kirchen geeigneten Raum auch für Konzerte, auch wenn hier beileibe nicht nur die Nächstenliebe im Visier war.Alle Mitwirkende sind versierte Musiker, die sich sichtlich von passionierter Begeisterung bewegen ließen. Ein nicht zu verhehlendes Manko war die Artikulation der Sänger, von den Texten war nahezu nichts zu verstehen. Zum Glück hatte Kolars vorab des Öfteren einige Informationen gegeben. Doch die Musik alleine, die schon Affekte wie Trauer, Sehnsucht, Schadenfreude oder Dreistigkeit zum Ausdruck brachte, ist so schön, dass sie den Verzicht auf das Verstehen leicht wett machte. Sehr bereichernd gerieten die sachdienlichen Erklärungen beispielsweise über die Methode der Kontrafaktur oder historische Hintergründe wie über die erfolgreichen Kaufherren, die im angrenzenden Humpis-Schloss ein bisschen Adel spielten, wiewohl sie ja nur dem Geldadel zugehörten.Das Programm war außerordentlich abwechslungsreich.In allen erdenklichen Kombinationen traten die Ensembles in Aktion. Jedes für sich alleine, also auch A-cappella-Gesang, große oder kleine Begleitung von Madrigalen, die Instrumentalisten unterschiedlich kombiniert oder als Tutti, ganz prachtvoll bei Orlando di Lassos „Echo“, als sich in Umkehrung der Abschiedssinfonie immer mehr Instrumente den Sängern zugesellten. Dies ist ein besonderes Schelmenstück, ein Streitgespräch, in dem sich einer weigert, ein Lied zu singen, und das mit einem wütend wiederholten „Basta!“ endet. Der Witz daran ist, dass das gesamte Gespräch von zwei Chören in halbtaktigem Abstand musiziert wird, als Echo nämlich.Sowohl Clément Janequin als auch Arnold von Bruck waren übrigens Geistliche, was sie jedoch nicht hinderte, das volle Leben abzubilden wie zum Beispiel die wenig spröde Müllerin (La meunière de Vernon) oder einen anderen Höhepunkt des Abends, das Trinklied von Arnold von Bruck (Brügge) „So drincken wir alle“. Mit viel Spaß forderten die Sänger auf: „Trink’s gar aus!“ und schickten das Publikum in die Pause, in der erfrischende Getränke konsumiert werden konnten.Die durch die Fenster herein fließende Abendsonne, welche die mannigfaltigen Liedlein noch vergoldete, schenkte Liebhabern Alter Musik ein wahres Bad der Harmonien. Oder auch: Das war der wahre Jakob.

    Hier geht es zur Konzertkritik vom Konzert am 14.7.2013

  • Artikel des Südkurier vom 14.2.2012

Kurzweiliges Benefizkonzert in der Erlöserkirche mit Werken aus der Renaissance

Drei- bis fünfhundert Jahre alte Kompositionen, vom 15. bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts mitsamt ihrer Zeit, in der sie entstanden sind, waren am Sonntagabend in der evangelischen Erlöserkirche für knapp zwei Stunden wieder lebendig. Dort gaben sich das Vokalensemble Q6, das Flötenensemble „Musica Chiara“, das Goldbacher Gambenconsort und Bernhard Legde an der Laute ein Stelldichein für ein Benefizkonzert zugunsten von Baumaßnahmen für einen barrierefreien Zugang zur Erlöserkirche. „O doulce amour“ ist ein Streifzug durch die „Lebensfreuden am Rande des Todes“, wie Pfarrer Harald Kuhnle treffend anmerkt, sowie durch die Freuden und Leiden der Liebe und andere persiflierte Zustände.

Das überaus harmonische Zusammenspiel der verschiedenen Klangkörper lässt nicht vermuten, dass sie sich nur für dieses Projekt zusammengeschlossen haben. Nicht nur die frisch, fröhlich und pfiffig interpretierten Gesänge des Vokalensembles Q6 versehen das Konzert mit einer kräftigen Prise Humor, sondern auch die geistreiche und gewitzte Moderation Ralph Kolars’, der Wissenswertes zu den Liedern und ihrer Zeit sowie deren Übersetzungen mit scherzhaften Anmerkungen und ironischen Vergleichen verbindet.Musik zur geselligen Unterhaltung in einer Kirche? Und dann auch noch witzig und keck bis frech? Wer wie die Aufführenden authentisch sein will, erinnert damit daran, dass zur Zeit der Renaissance in den Kirchen nicht nur Gottesdienste stattfanden, sondern auch öffentliche Veranstaltungen. Und es gab noch keine Unterschiede zwischen geistlicher und weltlicher Musik. Geistliche schrieben Liebeslieder, Liebeslieder wurden zu Kirchenliedern. So kann der Besucher einmal mehr erahnen, wie es in der damaligen Epoche zugegangen sein mag.

Auch die Instrumente, Flöten und Gamben, durch eine Handtrommel angereichert und die kundig gespielte Laute von Bernhard Legde, sind stilgerecht.Neben Werken bekannter Komponisten wie Orlando die Lasso, Clément Janequin oder John Dowland überraschen die Musizierenden auch mit weniger bekannten Preziosen, zum Beispiel von Josquin Desprez, Lodovico Viadana oder Pierre de la Rue. Darin geht es teils elegisch, teils opulent oder heftig durch alle Lebens- und Liebesbereiche. Dem Gesangsensemble mit ausgezeichnet harmonierenden Stimmen und edlem Chorklang sitzt beim Singen deutlich der Schalk im Nacken. In Trinkliedern und in Chansons über wiederentdeckte Sinnesfreuden sprühen die vier Sängerinnen und zwei Sänger vor Temperament vollmundig und knackig im tänzerischen Rhythmus. Dabei haben sie oft in einem Lied den Rhythmus zu wechseln, was mit viel Leichtigkeit geschieht. Geht es um Trauer und Herzeleid, badet Q6 genüsslich in den melancholischen Klängen.

Mit ihrer großen Flexibilität und Virtuosität stehen „Musica Chiara“ beim Malen eines runden Renaissance-Gemäldes in nichts nach, das durch das Goldbacher Gambenconsort und die Laute erst so richtig aufleuchtet.Beim Schmunzeln allein bleibt es nicht. Beim vom Flötenensemble täuschend echt nachgeahmten aufgeregten Hühnergegacker, dem Spatzengesang oder der Persiflage auf einen Ehemann, der den Haushalt macht, während Madame ihren Spaß hat, kann niemand mehr ernst bleiben. Das geht selbst Q6 so, die am Ende auch noch für „Pfiff“ sorgen. Der Besuch eines Konzertes von solcher Rarität und Kostbarkeit lohnt sich also immer. In diesem Fall hat es sich auch noch für einen anderen, guten Zweck gelohnt.

Hier geht es zur Konzertkritik vom 14.2.2012

 

  • Artikel des Südkurier vom 18.7.2011

    Eriskirch -  Lebendiges und überaus humorvolles Benefizkonzert mit Renaissance-Musik in „Mariä Himmelfahrt“ in Eriskirch
    Wenn dies das Ergebnis ist, dann hat sich der Ausstieg von Peter Schmidt und Klaus Hinrichs bei der A-cappella-Gruppe „Männer und Tenöre“ gelohnt. Letztere haben sich neu aufgestellt, und Peter Schmidt (Tenor) hat das Ensemble „Q6“ gegründet, in dem er mit Hinrichs (Bass), Irmtraud Weber, Reinhild Neveling (beide Alt), Verena Simmler und Christine Kallenberg (beide Sopran) auf feinste Weise Liedwerke der Renaissance aufführt. Beim Benefizkonzert zu Gunsten des neuen Dachstuhls für die Kirche Mariä Himmelfahrt in Eriskirch fällt der Applaus für alle Beteiligen – Q6 sowie das Flötenensemble Musica Chiara und das Goldbacher Gambenkonsort – jedenfalls mit einer so begeisterten Renitenz aus, wie man es im kirchlichen Raum selten erlebt; da möchte man fast noch ein wenig mehr um den besagten Dachstuhl fürchten. Dieser stammt, wie das Konzertprogramm, noch aus der Renaissance, wie Ralph Kolars (ebenfalls ein alter „Männer und Tenöre“-Mitstreiter) in seine leicht verständliche und flotte Moderation einflicht.Gespielt und gesungen werden Stücke aus einer unerschöpflichen Schatzkiste, in die allen voran die berühmten King’s Singers seit Jahrzehnten sehr erfolgreich greifen.Trotzdem bekommt die Musik der Renaissance, zwischen Spätmittelalter und Barock gelegen, noch immer vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit; Renaissance-Komponisten wie Clément Janequin und Orlando di Lasso mögen noch ein Begriff sein; Nino le Petit, Pierre de la Rue oder Claudin de Sermisy kennen die meisten bestenfalls vom Hörensagen.
    Wohl auch daher nun eine tiefere Bohrung in die Musikgeschichte, und dies mit einer Präzision, als habe man es mit seit Jahren aufeinander eingespielten Konzertpartnern zu tun. Wer ein Freund der Alten Musik nicht schon gewesen ist, dem tut sich beim Zusammenspiel des vierstimmigen Chorgesangs mit Flöten und dem Streicherklang des Gambenquartetts der Himmel der Erstentdeckung auf; und dort wird auch Spaß verstanden, wie so manches lautmalerische Element des Chors beweist, das im Dienst der Mimesis steht – der Nachbildung von Naturgeräuschen, mit der man in der Renaissance an die Antike anknüpfen wollte. Und so gackern die Flöten von Musica Chiara in der „Canzon über dass Henner und Hannergeschrey“ (Alessandro Poglietti) wie die Hennen um den Hahn; nur viel harmonischer, und höchst komplex.Mit „All of the birds“ von John Bartlet wiederum ist es um den Ernst der Sängerinnen von Q6 geschehen: Beim gepfiffenen Durchgang durch die wohlgemute Melodie – wohl ein Bonus, den sich Q6 selbst auf den Leib geschrieben haben – bricht eine um die andere in stilles Lachen aus. Nur die Herren bringen die Partie mit Understatement zu Ende; eine Spur des Humors der Comedian Harmonists, den Peter Schmidt mit den „Männern und Tenören“ wieder aufleben ließ, reicht so zurück bis ins frühe 17. Jahrhundert.In oft nicht einmal zweiminütigen Madrigalen öffnet sich eine doppelbödige Welt, in der Textaussage und klanglicher Ausdruck oft auseinanderklaffen. Die Ensembles treiben dieses Spannungsverhältnis in ihren Fassungen bisweilen auf die Spitze: John Dowlands „Now, o now, I needs must part“ etwa servieren Q6, Musica Chiara und das Goldbacher Gambenkonsort so pointiert und mit Schwung, dass man das darin besungene Ende aller Freuden kaum darin vermuten sollte; eine Einladung, eine Epoche neu zu entdecken, hinter die Oberflächen zu schauen und sich mit Fragen der Überlieferung und der Arrangements zu beschäftigen, die bei der Alten Musik stets virulent sind.Wer das Konzert verpasst hat, sollte am Sonntag, 24. Juli, nach Frickingen fahren. Dort wird es um 20 Uhr in der Weingartenkapelle wiederholt. Der Weg lohnt sich.Hier geht es zur Konzertkritik vom 18.7.2011

 

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